CRCS, 56-jährige Patientin - bitte um Zweitmeinung
Zitat von JFlor am 24. Juni 2026, 09:12 UhrLiebe Augenspezialisten , ich wende mich an Sie mit der Bitte um Beurteilung und Weiterbehandlungsempfehlung für eine meiner Kundinnen. Zur Patientin: Weiblich, 56 Jahre, keine relevanten Vorerkrankungen, keine Dauermedikation. Bekannte Histaminintoleranz. Diagnose: Gesicherte CRCS (Zentrale Seröse Chorioretinopathie) seit Januar 2023. Vorgeschichte: Nach der Diagnosestellung wurde die Patientin in drei Kliniken in Dresden, Chemnitz und Berlin zur photodynamischen Therapie (PDT) vorgestellt. In zwei Einrichtungen war das erforderliche Gerät defekt, in der dritten war der behandelnde Arzt zum Termin nicht verfügbar. Aufgrund dieser Erlebnisse hat die Patientin die weitere ophthalmologische Behandlung eigenständig abgebrochen. Die Beschwerden bestehen jedoch unverändert fort. Aktuelle Beschwerden: Subjektive Unscharfsicht, Leseerschwernis und rasche Sehermüdung. Aktuelle Refraktion: Rechts: −1,75 / −1,25 × 15° → Visus 0,7 Links: −3,50 / −0,75 × 174° → Visus 0,8 Meine Bitten an Sie: - Beurteilung des aktuellen Befundes anhand der beiliegenden OCT-Bilder - Einschätzung zur weiteren Therapieindikation (PDT oder Alternativen) - Empfehlung eines geeigneten Spezialisten oder Zentrums, das eine PDT zeitnah durchführen kann Für eine Rückmeldung wäre ich sehr dankbar. Die Patientin ist motiviert, die Behandlung wiederaufzunehmen, benötigt jedoch Unterstützung bei der Vermittlung. Mit freundlichen Grüßen Janine Flor
Liebe Augenspezialisten , ich wende mich an Sie mit der Bitte um Beurteilung und Weiterbehandlungsempfehlung für eine meiner Kundinnen. Zur Patientin: Weiblich, 56 Jahre, keine relevanten Vorerkrankungen, keine Dauermedikation. Bekannte Histaminintoleranz. Diagnose: Gesicherte CRCS (Zentrale Seröse Chorioretinopathie) seit Januar 2023. Vorgeschichte: Nach der Diagnosestellung wurde die Patientin in drei Kliniken in Dresden, Chemnitz und Berlin zur photodynamischen Therapie (PDT) vorgestellt. In zwei Einrichtungen war das erforderliche Gerät defekt, in der dritten war der behandelnde Arzt zum Termin nicht verfügbar. Aufgrund dieser Erlebnisse hat die Patientin die weitere ophthalmologische Behandlung eigenständig abgebrochen. Die Beschwerden bestehen jedoch unverändert fort. Aktuelle Beschwerden: Subjektive Unscharfsicht, Leseerschwernis und rasche Sehermüdung. Aktuelle Refraktion: Rechts: −1,75 / −1,25 × 15° → Visus 0,7 Links: −3,50 / −0,75 × 174° → Visus 0,8 Meine Bitten an Sie: - Beurteilung des aktuellen Befundes anhand der beiliegenden OCT-Bilder - Einschätzung zur weiteren Therapieindikation (PDT oder Alternativen) - Empfehlung eines geeigneten Spezialisten oder Zentrums, das eine PDT zeitnah durchführen kann Für eine Rückmeldung wäre ich sehr dankbar. Die Patientin ist motiviert, die Behandlung wiederaufzunehmen, benötigt jedoch Unterstützung bei der Vermittlung. Mit freundlichen Grüßen Janine Flor
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- 20260519_163906_Makula_3D_L_EINZELN_10mm_768x128_REPORT.pdf
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Zitat von Joshua Torrent Despouy am 29. Juli 2026, 00:16 UhrHallo zusammen,
zunächst möchte ich mich für meine verspätete Rückmeldung entschuldigen. Das entspricht eigentlich überhaupt nicht meiner Art. Im Gegenteil – mir liegt viel daran, dieses Forum fachlich lebendig zu halten und den kollegialen Austausch aktiv zu fördern.
Nun zu meiner Einschätzung des vorgestellten Falls:
Im OCT zeigt sich am rechten Auge eine deutlich umschriebene seröse Abhebung der neurosensorischen Netzhaut, wie sie klassischerweise bei einer chronischen zentralen serösen Chorioretinopathie (CSC, früher CRCS) zu beobachten ist.
Besonders interessant sind in diesem Fall mehrere Aspekte: Zum einen befindet sich die Läsion in unmittelbarer Nähe des Nervus opticus mit einer intraretinalen Spaltbildung im parapapillären Bereich. Diese Lokalisation ist weniger typisch und macht die Bildgebung besonders spannend. Zum anderen handelt es sich um eine weibliche Patientin. Obwohl Frauen selbstverständlich ebenfalls an einer CSC erkranken können, betrifft die Erkrankung überwiegend Männer mittleren Alters, sodass dieser Fall auch aus epidemiologischer Sicht etwas atypisch erscheint.
Ausgehend von der vorliegenden Befundbeschreibung erscheint die Diagnose einer chronischen CSC plausibel. Da unter einer initial abwartenden Strategie keine spontane Rückbildung eingetreten ist, besteht nun eine klare therapeutische Indikation. Während sich akute CSC-Fälle häufig innerhalb von drei bis vier Monaten spontan zurückbilden, ist dies bei chronischen Verläufen deutlich seltener. Anhaltende subretinale Flüssigkeit kann zu irreversiblen Schäden des retinalen Pigmentepithels (RPE) sowie der Photorezeptoren führen und damit eine dauerhafte Visusminderung verursachen.
Vor diesem Hintergrund stellt die Photodynamische Therapie (PDT) mit Verteporfin nach wie vor die Therapie der Wahl bei chronischer CSC dar. Zahlreiche klinische Studien konnten zeigen, dass insbesondere die sogenannte Half-Dose-PDT eine hohe Erfolgsrate hinsichtlich der Resorption der subretinalen Flüssigkeit erreicht und gleichzeitig ein günstiges Sicherheitsprofil besitzt. Ziel der Behandlung ist nicht die direkte Koagulation des Leckagepunktes, sondern eine kontrollierte Reduktion der choroidalen Hyperpermeabilität. Dadurch normalisiert sich der Flüssigkeitstransport über das retinale Pigmentepithel, sodass sich die subretinale Flüssigkeit zurückbilden kann.
Im Vergleich zur intravitrealen Medikamentengabe (IVOM) handelt es sich zwar um ein etwas aufwendigeres Verfahren, jedoch ist die Evidenz für die PDT bei chronischer CSC deutlich stärker als für Anti-VEGF-Therapien. Letztere zeigen – sofern keine sekundäre choroidale Neovaskularisation vorliegt – in der Regel keinen überzeugenden therapeutischen Nutzen und werden deshalb nicht routinemäßig empfohlen.
Die Durchführung einer PDT stellt heute allerdings eine organisatorische Herausforderung dar. Viele Kliniken und Praxen verfügen nicht mehr über das erforderliche Lasersystem, zudem war Verteporfin in den vergangenen Jahren zeitweise nur eingeschränkt verfügbar. Selbst wenn die technische Ausstattung vorhanden ist, besteht aufgrund der selten gewordenen Anwendung nicht überall die notwendige praktische Erfahrung. Während die PDT früher ein etabliertes Standardverfahren in der Behandlung der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration war, ist sie nach Einführung der Anti-VEGF-Therapie aus dem klinischen Alltag vieler Einrichtungen weitgehend verschwunden.
Aus diesem Grund würde ich Patientinnen und Patienten mit einer chronischen CSC und entsprechender Indikation bevorzugt an eine Universitätsaugenklinik oder ein spezialisiertes Makulazentrum überweisen. Dort stehen sowohl die notwendige technische Infrastruktur als auch die entsprechende Erfahrung mit der Durchführung der PDT in der Regel zur Verfügung.
Insgesamt halte ich die Photodynamische Therapie in diesem Fall für den sinnvollsten und evidenzbasierten therapeutischen Ansatz.
Ich hoffe, meine Einschätzung hilft bei der Einordnung des Falls und freue mich auf die weitere fachliche Diskussion.
Viele Grüße,
Dr. Joshua Torrent
Hallo zusammen,
zunächst möchte ich mich für meine verspätete Rückmeldung entschuldigen. Das entspricht eigentlich überhaupt nicht meiner Art. Im Gegenteil – mir liegt viel daran, dieses Forum fachlich lebendig zu halten und den kollegialen Austausch aktiv zu fördern.
Nun zu meiner Einschätzung des vorgestellten Falls:
Im OCT zeigt sich am rechten Auge eine deutlich umschriebene seröse Abhebung der neurosensorischen Netzhaut, wie sie klassischerweise bei einer chronischen zentralen serösen Chorioretinopathie (CSC, früher CRCS) zu beobachten ist.
Besonders interessant sind in diesem Fall mehrere Aspekte: Zum einen befindet sich die Läsion in unmittelbarer Nähe des Nervus opticus mit einer intraretinalen Spaltbildung im parapapillären Bereich. Diese Lokalisation ist weniger typisch und macht die Bildgebung besonders spannend. Zum anderen handelt es sich um eine weibliche Patientin. Obwohl Frauen selbstverständlich ebenfalls an einer CSC erkranken können, betrifft die Erkrankung überwiegend Männer mittleren Alters, sodass dieser Fall auch aus epidemiologischer Sicht etwas atypisch erscheint.
Ausgehend von der vorliegenden Befundbeschreibung erscheint die Diagnose einer chronischen CSC plausibel. Da unter einer initial abwartenden Strategie keine spontane Rückbildung eingetreten ist, besteht nun eine klare therapeutische Indikation. Während sich akute CSC-Fälle häufig innerhalb von drei bis vier Monaten spontan zurückbilden, ist dies bei chronischen Verläufen deutlich seltener. Anhaltende subretinale Flüssigkeit kann zu irreversiblen Schäden des retinalen Pigmentepithels (RPE) sowie der Photorezeptoren führen und damit eine dauerhafte Visusminderung verursachen.
Vor diesem Hintergrund stellt die Photodynamische Therapie (PDT) mit Verteporfin nach wie vor die Therapie der Wahl bei chronischer CSC dar. Zahlreiche klinische Studien konnten zeigen, dass insbesondere die sogenannte Half-Dose-PDT eine hohe Erfolgsrate hinsichtlich der Resorption der subretinalen Flüssigkeit erreicht und gleichzeitig ein günstiges Sicherheitsprofil besitzt. Ziel der Behandlung ist nicht die direkte Koagulation des Leckagepunktes, sondern eine kontrollierte Reduktion der choroidalen Hyperpermeabilität. Dadurch normalisiert sich der Flüssigkeitstransport über das retinale Pigmentepithel, sodass sich die subretinale Flüssigkeit zurückbilden kann.
Im Vergleich zur intravitrealen Medikamentengabe (IVOM) handelt es sich zwar um ein etwas aufwendigeres Verfahren, jedoch ist die Evidenz für die PDT bei chronischer CSC deutlich stärker als für Anti-VEGF-Therapien. Letztere zeigen – sofern keine sekundäre choroidale Neovaskularisation vorliegt – in der Regel keinen überzeugenden therapeutischen Nutzen und werden deshalb nicht routinemäßig empfohlen.
Die Durchführung einer PDT stellt heute allerdings eine organisatorische Herausforderung dar. Viele Kliniken und Praxen verfügen nicht mehr über das erforderliche Lasersystem, zudem war Verteporfin in den vergangenen Jahren zeitweise nur eingeschränkt verfügbar. Selbst wenn die technische Ausstattung vorhanden ist, besteht aufgrund der selten gewordenen Anwendung nicht überall die notwendige praktische Erfahrung. Während die PDT früher ein etabliertes Standardverfahren in der Behandlung der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration war, ist sie nach Einführung der Anti-VEGF-Therapie aus dem klinischen Alltag vieler Einrichtungen weitgehend verschwunden.
Aus diesem Grund würde ich Patientinnen und Patienten mit einer chronischen CSC und entsprechender Indikation bevorzugt an eine Universitätsaugenklinik oder ein spezialisiertes Makulazentrum überweisen. Dort stehen sowohl die notwendige technische Infrastruktur als auch die entsprechende Erfahrung mit der Durchführung der PDT in der Regel zur Verfügung.
Insgesamt halte ich die Photodynamische Therapie in diesem Fall für den sinnvollsten und evidenzbasierten therapeutischen Ansatz.
Ich hoffe, meine Einschätzung hilft bei der Einordnung des Falls und freue mich auf die weitere fachliche Diskussion.
Viele Grüße,
Dr. Joshua Torrent