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Vitromakuläre Traktion

Hallo in die Runde,

hier habe ich mal einen schönen Verlauf einer vitromakulären Traktion.

Kundin 59 Jahre hatte 2024 folgende Werte:

R +4,25 -0.25 115 Add 2,25  Visus 0,9

L +5.00 -0.25  81 Add 2.25   Visus 0.7

Heute:

R + 4,25    Add 2.25  Visus 1,25

L +4,75  Add 2.25  Visus 1,25

Bei dieser Kundin ist eine kleine Lücke in der ILM seit März zu sehen.

Dazu meine Frage:

- Wie engmaschig sollte dies kontrolliert werden bzgl. der Spaltbildung?
- gibt es Medikamentationen die helfen können?

Ich freue mich schon auf Eure Einschätzungen.

 

Hochgeladene Dateien:
  • 20251030_094847_Makula_3D_L_VERLAUF_8mm_768x112.png
Georg Scheuerer hat auf diesen Beitrag reagiert.
Georg Scheuerer

Hallo zusammen,

vielen Dank für den interessanten Beitrag und die wirklich beeindruckenden OCT-Aufnahmen!
Auch hier möchte ich gerne ein paar Gedanken zu diesem spannenden Fall teilen.

Auf den OCT-Bildern der Patientin fällt eine deutliche Veränderung im Bereich der Fovea auf. Besonders bemerkenswert ist die Verbindung zwischen Glaskörper und Netzhaut – genauer gesagt zwischen der hinteren Glaskörpergrenzmembran und der Fovea.

Diese vitreomakuläre Traktion (VMT) führt dazu, dass eine traktive Zugkraft auf die zentrale Netzhaut ausgeübt wird. Infolgedessen kommt es zu einer Deformation der fovealen Architektur, die sich im OCT als Auseinanderziehen der Netzhautschichten zeigt. Das typische Bild einer fokalen Schisis bzw. eines Pseudo-Ödems entsteht.

Interessant ist, dass die morphologisch deutlich sichtbare Veränderung funktionell kaum relevante Einschränkungen verursacht:
Die Patientin erreicht trotz der auffälligen OCT-Struktur einen Visus von 1,0!
Allenfalls berichten Betroffene in solchen Fällen über leichte Kontrastminderungen oder minimale Metamorphopsien, die häufig subjektiv kaum störend sind.

Vitreomakuläre Traktionen gelten in der Regel als benigne, selbstlimitierende Prozesse.
In vielen Fällen kommt es im Verlauf zu einer spontanen Lösung der Traktion, wenn sich der Glaskörper weiter von der Netzhaut abhebt. Nach dieser spontanen Ablösung normalisiert sich die foveale Struktur meist vollständig, und die funktionelle Prognose ist ausgezeichnet.

Allerdings ist ein kontrolliertes Beobachten (zum Beispiel alle 3-6 Monate) unerlässlich, da es auch zu einem ungünstigen Verlauf kommen kann:
Bei zunehmender Traktion kann sich die Zugkraft auf die Netzhaut verstärken, was in einem Makulaschichtforamen oder sogar in einem vollschichtigen Makulaforamen mit entsprechendem Visusverlust resultieren kann.

Eine prophylaktische operative Intervention (Vitrektomie) ist in der Regel nicht indiziert, solange der Visus stabil bleibt, keine Zunahme der traktionellen Deformation erkennbar ist und keine Zeichen einer Netzhautläsion oder Foramenbildung auftreten.

Sollten sich hingegen deutliche strukturelle Veränderungen oder ein funktioneller Abfall zeigen, wäre eine chirurgische Lösung (Pars-plana-Vitrektomie mit Membranpeeling) zu erwägen.

Aktuell spricht alles für ein abwartendes, beobachtendes Vorgehen mit regelmäßigen OCT-Kontrollen.
In vielen Fällen reguliert sich diese Art der Traktion tatsächlich „von selbst“, wenn der Glaskörper seine Haftung vollständig verliert.

Ich bin sehr gespannt, wie sich diese natürliche Besonderheit bei der Patientin weiterentwickelt – vielleicht zeigt uns die Natur einmal mehr, dass sie oft die beste Therapeutin ist.

Viele Grüße an alle,


Dr.  Joshua Torrent D.

Georg Scheuerer hat auf diesen Beitrag reagiert.
Georg Scheuerer

Hallo Zusammen,

 

Wenn ich es richtig sehe, hat sich die VMT ja bereits "gelöst" und der Visus ist wieder angestiegen. Ein gutes Zeichen… Würde mich freuen, ein Kontroll-OCT in einigen Monaten zu sehen! DANKE euch beiden für den Fall und die Erklärungen dazu! Wie immer was gelernt!

viele Grüße

Georg

Oh ja, das ist wirklich erfreulich!
Ich war zunächst davon ausgegangen, dass es sich bei den Aufnahmen um unterschiedliche Ansichten desselben Volumenscans handelt – umso schöner, dass sich nun bestätigt hat, dass die vitreomakuläre Traktion sich spontan gelöst hat, ganz wie erhofft.

Das sind hervorragende Neuigkeiten – ab jetzt kann es für die Netzhaut wirklich nur noch stabiler und besser werden!

Sehr gut beobachtet, Georg! 👏

Georg Scheuerer hat auf diesen Beitrag reagiert.
Georg Scheuerer