progressive MD
Zitat von Annika Maxam am 9. Juli 2026, 15:11 UhrHallo,
ich hatte heute eine langjährige Kundin vorm OCT, die seit einiger Zeit einen Visusabfall (Vcc 0,2) am rechten Auge bemerkte. Sie ist alle 6 Monate beim Augenarzt zur Kontrolle und es soll erstmal abgewartet werden. Der nächste Termin ist im November. Ob jemals vorher ein OCT gemacht wurde, konnte sie leider nicht beantworten. Ende 2024 lag der Vcc noch bei 0,7. Das linke Auge ist (noch) komplett unauffällig.
Frage nun, ob ich sie schon eher zu einem Arzt bzgl. einer Zweitmeinung schicken sollte?
Viele Grüße aus Rostock
Annika
Hallo,
ich hatte heute eine langjährige Kundin vorm OCT, die seit einiger Zeit einen Visusabfall (Vcc 0,2) am rechten Auge bemerkte. Sie ist alle 6 Monate beim Augenarzt zur Kontrolle und es soll erstmal abgewartet werden. Der nächste Termin ist im November. Ob jemals vorher ein OCT gemacht wurde, konnte sie leider nicht beantworten. Ende 2024 lag der Vcc noch bei 0,7. Das linke Auge ist (noch) komplett unauffällig.
Frage nun, ob ich sie schon eher zu einem Arzt bzgl. einer Zweitmeinung schicken sollte?
Viele Grüße aus Rostock
Annika
Hochgeladene Dateien:Zitat von Joshua Torrent Despouy am 29. Juli 2026, 01:29 UhrHallo Annika,
vielen Dank für deinen Fall.
Die deutliche Visusminderung des rechten Auges lässt sich anhand der OCT-Aufnahmen sehr gut nachvollziehen. Es zeigt sich eine vitreomakuläre Adhärenz , also eine persistierender Anheftung des posterioren Glaskörpers an der Fovea. Die hierdurch entstehenden anteroposterioren und tangentialen Zugkräfte führen zu einer deutlichen Verformung der fovealen Architektur, zu Zystenbildung im Randbereich und schließlich zur Ausbildung eines vollschichtigen Makulaforamens (Stadium III nach der Gass-Klassifikation).
Damit erklärt sich nicht nur die reduzierte Sehschärfe, sondern auch die typischen Beschwerden der Patientin. Metamorphopsien, ein zentrales Skotom sowie das Gefühl von „tanzenden“ oder verzerrten Buchstaben passen sehr gut zu diesem Befund.
Die gute Nachricht ist: Auch wenn die Diagnose zunächst beunruhigend klingt, handelt es sich um ein Krankheitsbild, das heutzutage in den meisten Fällen sehr erfolgreich behandelt werden kann. Nach den aktuellen augenärztlichen Leitlinien sollte ein Makulaforamen im Stadium III zeitnah operativ versorgt werden. Als optimales Zeitfenster gilt eine Operation innerhalb von zwei Wochen bis maximal drei Monaten nach Diagnosestellung beziehungsweise Symptombeginn. Eine frühzeitige Versorgung verbessert die Chancen auf einen anatomischen Verschluss des Foramens und eine möglichst gute funktionelle Visuserholung.
Der Goldstandard ist die Vitrektomie mit Lösung der vitreomakulären Traktion, Peeling der Membrana limitans interna (ILM) und anschließender Gastamponade. Ziel des Eingriffs ist es, die Zugkräfte auf die Makula vollständig zu beseitigen und so einen Verschluss des Foramens zu ermöglichen. Die Erfolgsraten sind erfreulich hoch – in erfahrenen vitreoretinalen Zentren gelingt der anatomische Verschluss in über 90 % der Fälle.
Ein augenärztlicher Notfall im Sinne einer sofortigen Operation ist dieser Befund nicht, dennoch würde ich die Patientin in den nächsten 4-8 Wichen in einer Klinik vorstellen, damit die o.g. operative Versorgung innerhalb des empfohlenen Zeitfensters geplant werden kann.
Letztlich sollte die Patientin natürlich umfassend über den Befund, die Therapie und die Prognose aufgeklärt werden. Gerade weil die Erfolgsaussichten einer frühzeitigen Operation sehr gut sind, würde ich hier nicht unnötig lange abwarten, sondern die weitere Versorgung frühzeitig in die Wege leiten. Sollte die Patientin aber eine mögliche Behandlung erst später wünschen, so heißt es nicht dass die OP nicht gelingt.
Vielen Dank nochmals für das Teilen dieses interessanten Falls. Ich bin gespannt, wie der weitere Verlauf aussieht und freue mich auf die Auflösung.
Viele Grüße nach Rostock,
Dr. Joshua Torrent
Hallo Annika,
vielen Dank für deinen Fall.
Die deutliche Visusminderung des rechten Auges lässt sich anhand der OCT-Aufnahmen sehr gut nachvollziehen. Es zeigt sich eine vitreomakuläre Adhärenz , also eine persistierender Anheftung des posterioren Glaskörpers an der Fovea. Die hierdurch entstehenden anteroposterioren und tangentialen Zugkräfte führen zu einer deutlichen Verformung der fovealen Architektur, zu Zystenbildung im Randbereich und schließlich zur Ausbildung eines vollschichtigen Makulaforamens (Stadium III nach der Gass-Klassifikation).
Damit erklärt sich nicht nur die reduzierte Sehschärfe, sondern auch die typischen Beschwerden der Patientin. Metamorphopsien, ein zentrales Skotom sowie das Gefühl von „tanzenden“ oder verzerrten Buchstaben passen sehr gut zu diesem Befund.
Die gute Nachricht ist: Auch wenn die Diagnose zunächst beunruhigend klingt, handelt es sich um ein Krankheitsbild, das heutzutage in den meisten Fällen sehr erfolgreich behandelt werden kann. Nach den aktuellen augenärztlichen Leitlinien sollte ein Makulaforamen im Stadium III zeitnah operativ versorgt werden. Als optimales Zeitfenster gilt eine Operation innerhalb von zwei Wochen bis maximal drei Monaten nach Diagnosestellung beziehungsweise Symptombeginn. Eine frühzeitige Versorgung verbessert die Chancen auf einen anatomischen Verschluss des Foramens und eine möglichst gute funktionelle Visuserholung.
Der Goldstandard ist die Vitrektomie mit Lösung der vitreomakulären Traktion, Peeling der Membrana limitans interna (ILM) und anschließender Gastamponade. Ziel des Eingriffs ist es, die Zugkräfte auf die Makula vollständig zu beseitigen und so einen Verschluss des Foramens zu ermöglichen. Die Erfolgsraten sind erfreulich hoch – in erfahrenen vitreoretinalen Zentren gelingt der anatomische Verschluss in über 90 % der Fälle.
Ein augenärztlicher Notfall im Sinne einer sofortigen Operation ist dieser Befund nicht, dennoch würde ich die Patientin in den nächsten 4-8 Wichen in einer Klinik vorstellen, damit die o.g. operative Versorgung innerhalb des empfohlenen Zeitfensters geplant werden kann.
Letztlich sollte die Patientin natürlich umfassend über den Befund, die Therapie und die Prognose aufgeklärt werden. Gerade weil die Erfolgsaussichten einer frühzeitigen Operation sehr gut sind, würde ich hier nicht unnötig lange abwarten, sondern die weitere Versorgung frühzeitig in die Wege leiten. Sollte die Patientin aber eine mögliche Behandlung erst später wünschen, so heißt es nicht dass die OP nicht gelingt.
Vielen Dank nochmals für das Teilen dieses interessanten Falls. Ich bin gespannt, wie der weitere Verlauf aussieht und freue mich auf die Auflösung.
Viele Grüße nach Rostock,
Dr. Joshua Torrent