Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Auffälligkeit -Raumforderung

Hallo liebe Mitstreiter,

Frau 56 Jahre. Jch habe im OCT- Bild am linken Auge  Auffälligkeiten mit Raumforderung und wahrscheinlich Flüssigkeit gefunden. Rechts ist alles in Ordnung (v=1,0). Der Visus liegt links noch bei 0,8...das Sehen wird aber als verschwommen, dunkler, verzerrt, event. leichte Doppelbilder oder als würde sie schielen von der Kundin beschrieben.  Fundusbild ist nicht schön geworden, konnte man nicht viel erkennen. Ich habe sie mit den Bildern als dringlich zum Augenarzt geschickt. Hätte ich hier schon einen Tumor sicher erkennen können?!

Was sagt ihr?

Hochgeladene Dateien:

Hallo Jana,

als Optometrist würde ich mich mit einer konkreten Diagnose zurückhalten und mich primär auf eine deskriptive OCT-Befundbeschreibung beschränken. Im vorliegenden Scan zeigen sich folgende Auffälligkeiten:

  • Unregelmäßigkeiten im Bereich des retinalen Pigmentepithels (RPE)

  • Strukturstörungen der Ellipsoid-Zone

  • subretinale Flüssigkeit (SRF)

  • vereinzelte hyperreflektive Foci

  • subretinales hyperreflektierendes Material (SHRM)

 

In Summe handelt es sich eindeutig um einen auffälligen Befund, sodass eine weiterführende augenärztliche Abklärung dringend zu empfehlen ist.

Weitere Informationen sind sicher zur weiteren Einschätzung und Diagnose durch den Arzt nötig:

  • Refraktionsstatus (insbesondere wenn hochmyopen Augen)

  • Fundusfotografie (auch wenn technisch suboptimal – evtl. Hinweise auf CNV sichtbar etc?)

  • Anamnese (visuelle Symptome, Dauer, systemische Vorerkrankungen etc.)

  • FA
  • etc.

 

Eine raumfordernde Läsion (z. B. Tumor) erscheint auf den ersten Blick möglich, aber eher unwahrscheinlich? - Nachtrag: leider doch :-( -> Soweit ich das beurteilen kann?

Gerade bei höherer Myopie sieht man gelegentlich vergleichbare Veränderungen?

Fazit: Die Weiterleitung zum Augenarzt war absolut richtig – danke für das Teilen des Falls! Wenn du später noch ein Update oder weitere Infos hast, freuen wir uns natürlich.

Liebe Grüße

Georg

Hallo Georg,

vielen Dank für deine Befundbeschreibung!

Im Großen und Ganzen passt das mit meiner Einschätzung überein.

Natürlich würde ich als Optometrist keine Diagnose stellen. Das ist das Fachgebiet der Augenärzte. Leider handelt es sich um einen Tumor.

Liebe Grüße von der Küste!

Jana

Georg Scheuerer hat auf diesen Beitrag reagiert.
Georg Scheuerer

Hallo Jana,

 

Danke für das Feedback und das Teilen. Leider eine Diagnose, die sich niemand wünscht – ich drücke der Patientin fest die Daumen!
viele Grüße aus dem Süden

Georg

PS: Da warst du im Gegensatz zu mir auf der richtigen Spur - sehr gut! Wir hoffen nun das Beste, aber dank dir ist zumindest eine schnellstmögliche Diagnostik und
eventuelle Therapie gewährleistet.

Hallo Zusammen,

da habe ich ja kaum noch etwas hinzuzufügen – auch ich schließe mich den bisherigen Einschätzungen an.
Leider lässt sich ohne weitere Informationen wie ein Fundusfoto oder zusätzliche klinische Befunde die genaue Pathologie nicht sicher einordnen.

Tatsache ist jedoch, dass man einen Durchbruch einer pathologischen Struktur (z. B. einer neovaskuläre Membran oder eines tumorförmigen Geschehens) erkennen kann, mit entsprechendem subretinalem Spalt im Sinne einer Flüssigkeitsansammlung unterhalb der Netzhaut.
Die sichtbare Prominenz ist in jedem Fall auffällig und sollte unbedingt weiter augenärztlich abgeklärt werden.

Ich habe in der Vergangenheit einige Patientinnen und Patienten mit Aderhautmelanom oder anderen intraokulären Tumoren gesehen – in der OCT sind deren Merkmale nicht immer eindeutig zu erkennen. Dennoch ist die Konstellation in diesem Fall so untypisch, dass eine ernsthafte Pathologie in Betracht gezogen werden muss.

Solche Fälle zeigen gut, wie anspruchsvoll die Abgrenzung zwischen Befundmitteilung und Diagnose ist. Als Optometrie- oder Optik-Fachkräfte ist es eine große Herausforderung, den Patienten mitzuteilen, dass hier eine auffällige Veränderung vorliegt, die unbedingt und zeitnah augenärztlich abgeklärt werden sollte — ohne dabei selbst eine Diagnose oder Prognose zu stellen.

Wenn ein schneller Termin beim niedergelassenen Augenarzt nicht möglich ist, kann auf die Notfallsprechstunden des Kassenärztlicher Notdienst, den augenärztlichen Notdienst oder auch die offenen Sprechstunden jeder Augenklinik verwiesen werden. Dort kann die Patientin oder der Patient direkt vorgestellt werden.

Als Augenarzt möchte ich an dieser Stelle betonen, wie sehr ich euren Einsatz schätze.
Ihr seid oft die Ersten, die subtile Veränderungen bemerken, und tragt damit entscheidend dazu bei, dass viele Augenerkrankungen frühzeitig erkannt werden.
Für die betroffene Patientin in diesem Fall ist dies sicherlich belastend, aber gleichzeitig bietet es die große Chance, dass eine potenziell schwerwiegende Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt werden kann.
Ich freue mich wirklich, dass es euch gibt!

Viele liebe Grüße und einen guten Start in die Woche!

Euer Dr. Joshua Torrent Despouy

 

Georg Scheuerer und Mandy haben auf diesen Beitrag reagiert.
Georg ScheuererMandy