Auffällig verdünnte Netzhaut
Zitat von Frank Schellstede am 29. Juni 2026, 11:26 UhrLiebes Forum,
ich bitte um Einschätzung der Bilder in Bezug auf Handlungsempfehlungen.
Unser Kunde hat subjektiv keine relevanten Beschwerden und wünscht eine neue Brille.
Bis auf Blutdrucktabletten keine Medikamente.
Allgemeinerkrankungen nicht bekannt.
Gemessener Augeninnendruck R 14,3 L 15,7 - Pachy: R 557µm / L 572 µm
Refra:
R: +2,25 -0,75 96 Prisma 3,5 Bi V 1,0
L: + 2,5 -1,0 80 Prisma 3,5 Bi V 1,25
Add 2,25
Nur dezente Werteänderung zu 2023 bei gleichem Visus
Amsler R: zentral leicht auffällig L: negativ (gleiches Ergebnis bereits 2018 dokumentiert)
Die KI der DRS-Funduskamera zeigt R eine intermediäre AMD
Auffällig erscheint die Verdünnung der Netzhaut R.
Zum Vergleich habe ich Aufnahmen von 2023 und 2026 angefügt. Zentral hat die Netzhautdicke R/L abgenommen – ist die Größenordnung als normal einzustufen?
R sind im Fundusbild zwischen Makula und Papille „weißliche Pünktchen“ – Exudate? oder frühere Entzündung?
Liegt R temporal eine Chisis vor?
Liebes Forum,
ich bitte um Einschätzung der Bilder in Bezug auf Handlungsempfehlungen.
Unser Kunde hat subjektiv keine relevanten Beschwerden und wünscht eine neue Brille.
Bis auf Blutdrucktabletten keine Medikamente.
Allgemeinerkrankungen nicht bekannt.
Gemessener Augeninnendruck R 14,3 L 15,7 - Pachy: R 557µm / L 572 µm
Refra:
R: +2,25 -0,75 96 Prisma 3,5 Bi V 1,0
L: + 2,5 -1,0 80 Prisma 3,5 Bi V 1,25
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Nur dezente Werteänderung zu 2023 bei gleichem Visus
Amsler R: zentral leicht auffällig L: negativ (gleiches Ergebnis bereits 2018 dokumentiert)
Die KI der DRS-Funduskamera zeigt R eine intermediäre AMD
Auffällig erscheint die Verdünnung der Netzhaut R.
Zum Vergleich habe ich Aufnahmen von 2023 und 2026 angefügt. Zentral hat die Netzhautdicke R/L abgenommen – ist die Größenordnung als normal einzustufen?
R sind im Fundusbild zwischen Makula und Papille „weißliche Pünktchen“ – Exudate? oder frühere Entzündung?
Liegt R temporal eine Chisis vor?
Hochgeladene Dateien:Zitat von Joshua Torrent Despouy am 29. Juli 2026, 00:39 UhrHallo liebe Forum-Leserinnen und Forum-Leser,
dieser Fall ist erneut ein sehr spannender Befund, der in dieser Konstellation nicht alltäglich ist und daher eine differenzierte Betrachtung verdient.
Zunächst fällt auf, dass das linke Auge einen unauffälligen Befund mit regelrechter retinaler Morphologie zeigt. Am rechten Auge hingegen imponiert eine großflächige, umschriebene Veränderung des retinalen Pigmentepithels (RPE), die sich vom Sehnervenkopf bis in den fovealen Bereich erstreckt.
Besonders auffällig ist dabei nicht nur die Atrophie des RPE, sondern auch der darüberliegenden Photorezeptorschicht. Durch den Gewebeverlust erscheint die Netzhaut in diesem Areal deutlich ausgedünnt und abgeflacht, was folgerichtig im OCT als reduzierte Netzhautdicke (roter Bereich) dargestellt wird.
Im Gegensatz dazu zeigt sich die temporale Netzhaut mit einer regelrechten retinalen Schichtung und intakter Architektur. Aus diesem Grund handelt es sich hierbei nicht um eine Retinoschisis. Vielmehr liegt nasal eine umschriebene atrophische Veränderung der äußeren Netzhaut mit Beteiligung des RPE und der Photorezeptoren vor, während die temporale Netzhaut strukturell unauffällig bleibt.
Bei den gelblich imponierenden punktförmigen Veränderungen handelt es sich nicht um harte Exsudate, sondern vielmehr um Lichtreflexe beziehungsweise Oberflächenveränderungen im Rahmen einer epiretinalen Gliose.
Die eigentliche diagnostische Herausforderung besteht darin, dass sich anhand der vorliegenden Bildgebung keine eindeutige Verdachtsdiagnose ableiten lässt. Das Muster ist nicht charakteristisch für eine einzelne Erkrankung und erlaubt daher derzeit lediglich eine differenzialdiagnostische Einordnung. Da die Veränderungen streng unilateral auftreten und ausschließlich das rechte Auge betreffen, erscheint eine chorioretinale Erkrankung als eine der wahrscheinlichsten Ursachen. Differenzialdiagnostisch kommen unter anderem entzündliche oder postentzündliche Chorioretinopathien, seltenere degenerative Veränderungen oder auch Residuen einer zurückliegenden infektiösen Genese in Betracht.
Zur weiteren Diagnosesicherung würde ich daher eine multimodale Bildgebung empfehlen. Insbesondere eine Fluoreszenzangiographie sowie eine Fundusautofluoreszenz können wertvolle Informationen über die Integrität des retinalen Pigmentepithels, mögliche Leckagen, chorioretinale Narben oder metabolisch aktive Areale liefern. Je nach klinischem Kontext könnten ergänzend auch eine OCT-Angiographie sowie gegebenenfalls eine entzündungs- oder infektiologische Abklärung sinnvoll sein.
Ein akuter therapeutischer Handlungsbedarf besteht nach den vorliegenden Befunden jedoch nicht. Die Veränderungen imponieren überwiegend atrophisch und sprechen für einen chronischen, bereits abgeheilten oder inaktiven Prozess. Der Schwerpunkt liegt daher zunächst auf einer möglichst präzisen Diagnosesicherung, um die zugrunde liegende Ursache einzuordnen und das weitere Vorgehen individuell planen zu können.
Ich bin gespannt, welche Diagnose sich letztendlich hinter diesem interessanten Befund verbirgt und freue mich über weitere Informationen über die Entwicklung.
Viele Grüße an Alle,
Dr. med. Joshua Torrent
Hallo liebe Forum-Leserinnen und Forum-Leser,
dieser Fall ist erneut ein sehr spannender Befund, der in dieser Konstellation nicht alltäglich ist und daher eine differenzierte Betrachtung verdient.
Zunächst fällt auf, dass das linke Auge einen unauffälligen Befund mit regelrechter retinaler Morphologie zeigt. Am rechten Auge hingegen imponiert eine großflächige, umschriebene Veränderung des retinalen Pigmentepithels (RPE), die sich vom Sehnervenkopf bis in den fovealen Bereich erstreckt.
Besonders auffällig ist dabei nicht nur die Atrophie des RPE, sondern auch der darüberliegenden Photorezeptorschicht. Durch den Gewebeverlust erscheint die Netzhaut in diesem Areal deutlich ausgedünnt und abgeflacht, was folgerichtig im OCT als reduzierte Netzhautdicke (roter Bereich) dargestellt wird.
Im Gegensatz dazu zeigt sich die temporale Netzhaut mit einer regelrechten retinalen Schichtung und intakter Architektur. Aus diesem Grund handelt es sich hierbei nicht um eine Retinoschisis. Vielmehr liegt nasal eine umschriebene atrophische Veränderung der äußeren Netzhaut mit Beteiligung des RPE und der Photorezeptoren vor, während die temporale Netzhaut strukturell unauffällig bleibt.
Bei den gelblich imponierenden punktförmigen Veränderungen handelt es sich nicht um harte Exsudate, sondern vielmehr um Lichtreflexe beziehungsweise Oberflächenveränderungen im Rahmen einer epiretinalen Gliose.
Die eigentliche diagnostische Herausforderung besteht darin, dass sich anhand der vorliegenden Bildgebung keine eindeutige Verdachtsdiagnose ableiten lässt. Das Muster ist nicht charakteristisch für eine einzelne Erkrankung und erlaubt daher derzeit lediglich eine differenzialdiagnostische Einordnung. Da die Veränderungen streng unilateral auftreten und ausschließlich das rechte Auge betreffen, erscheint eine chorioretinale Erkrankung als eine der wahrscheinlichsten Ursachen. Differenzialdiagnostisch kommen unter anderem entzündliche oder postentzündliche Chorioretinopathien, seltenere degenerative Veränderungen oder auch Residuen einer zurückliegenden infektiösen Genese in Betracht.
Zur weiteren Diagnosesicherung würde ich daher eine multimodale Bildgebung empfehlen. Insbesondere eine Fluoreszenzangiographie sowie eine Fundusautofluoreszenz können wertvolle Informationen über die Integrität des retinalen Pigmentepithels, mögliche Leckagen, chorioretinale Narben oder metabolisch aktive Areale liefern. Je nach klinischem Kontext könnten ergänzend auch eine OCT-Angiographie sowie gegebenenfalls eine entzündungs- oder infektiologische Abklärung sinnvoll sein.
Ein akuter therapeutischer Handlungsbedarf besteht nach den vorliegenden Befunden jedoch nicht. Die Veränderungen imponieren überwiegend atrophisch und sprechen für einen chronischen, bereits abgeheilten oder inaktiven Prozess. Der Schwerpunkt liegt daher zunächst auf einer möglichst präzisen Diagnosesicherung, um die zugrunde liegende Ursache einzuordnen und das weitere Vorgehen individuell planen zu können.
Ich bin gespannt, welche Diagnose sich letztendlich hinter diesem interessanten Befund verbirgt und freue mich über weitere Informationen über die Entwicklung.
Viele Grüße an Alle,
Dr. med. Joshua Torrent




