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Verdacht auf CNV-Handlungsbedarf ?!

Hallo liebe Forumsmitglieder und lieber Herr Dr. Torrent,

ich habe hier eine Patientin, 75 Jahre alt.

  • Hauptbeschwerden: Unsicherheit beim Autofahren in der Dämmerung/bei Nacht und Lichtempfindlichkeit

  • Anamnese: bisher keine bekannten schwerwiegenden Augenerkrankungen, Allgemeinanamnese eher unauffällig, keine akuten Schmerzen, keine plötzlich aufgetretene Visusminderung erinnerlich

  • Medikamente: keine

Visus:1,0 bds.

Auf den Fundus- und OCT-Bildern:

  • Auge: OD

  • Fovea wirkt in der OCT-Darstellung etwas „ungewöhnlich geformt“ bzw. abgeflacht, nicht wie die typische schöne foveale Depression

  • Auffällig ist im OCT eine Art kleine Struktur/Ansammlung direkt vor bzw. über der Fovea, im Bereich des Glaskörpers oder an der ILM – könnte das eine Art „Zellansammlung“ / Kondensation im Vitreum sein?

  • Auf einem weiteren Schnitt sieht eine Veränderung tiefer, im Bereich RPE/Choroidea, für mich ein bisschen nach einer möglichen choroidalen Neovaskularisation (CNV) aus

  • Da im Fundusbild keine Drusen zu sehen sind, bin ich unsicher, ob das in Richtung AMD mit CNV geht oder eher etwas anderes (z. B. idiopathische CNV oder andere RPE-/choroidale Veränderung)

Meine Fragen an euch:

  1. Hat jemand von euch eine Idee, was diese Struktur „vor“ der Fovea im OCT sein könnte? Sind das eher Glaskörperzellen/-kondensation oder würdet ihr an etwas anderes denken? Kann so etwas die starke Lichtempfindlichkeit erklären?

  2. Wie würdet ihr die Veränderung im Bereich RPE/Choroidea beurteilen – könnte das aus eurer Sicht eine CNV sein, auch wenn klinisch keine Drusen sichtbar sind?

  3. Wie würdet ihr im Praxisalltag weiter vorgehen?

    • Würdet ihr die Patientin mit der Verdachtsdiagnose (Makulaveränderung OD, CNV?) zeitnah zum Augenarzt überweisen ?

    • Falls eher von einem stabilen, nicht behandlungsbedürftigen Befund auszugehen ist: in welchen Kontrollintervallen würdet ihr im optometrischen Setting weiterkontrollieren (halbjährlich, jährlich, nur bei Symptomzunahme)?

Vielleicht übersehe ich etwas Offensichtliches – ich freue mich sehr über eure Einschätzungen und Tipps zum weiteren Management.

Ganz lieben Dank für eure Hilfe!

Marvin Marchwat

Hochgeladene Dateien:

Hallo zusammen,

vielen Dank erneut für die Vorstellung dieses wirklich spannenden Falls sowie für die hervorragend gelungenen Bildaufnahmen.
Es handelt sich um eine eher ungewöhnliche Befundkonstellation, die jedoch bei genauer Betrachtung gut einzuordnen ist.

Im parafovealen Bereich zeigt sich auf Höhe der ILM eine hyperreflektive Struktur im vitreoretinalen Interface, die meiner Meinung nach nicht als pathologisch einzustufen ist. Am wahrscheinlichsten handelt es sich um eine atypische, tiefer liegende Glaskörperkondensation. Sowohl das Interface als auch die RNFL erscheinen unauffällig und stabil, was zusätzlich dadurch gestützt wird, dass keinerlei funktionelle Einschränkungen vorliegen. Ein Krankheitswert ist daher aktuell nicht anzunehmen. Aufgrund der etwas ungewöhnlichen Morphologie ist jedoch eine Verlaufskontrolle – beispielsweise in etwa sechs Monaten – sinnvoll. Ergänzend empfiehlt sich eine regelmäßige Amsler-Eigenkontrolle durch den Patienten.

Die weitere parafoveale Veränderung stellt sich als hyperreflektive, solide PED dar, die am ehesten einer solitären Druse entspricht. Das RPE wirkt leicht unregelmäßig, wobei sich klinisch keine Hinweise auf eine neovaskuläre Aktivität zeigen. Differenzialdiagnostisch könnte man auch an einen älteren „Hot Spot“ im Sinne einer durchgemachten, klinisch stummen CRCS denken.

Da die retinale Architektur insgesamt stabil erscheint und keine exsudativen Zeichen oder Hinweise auf eine aktive CNV zu erkennen sind, ist eine Intervention (Augeninjektionen) derzeit nicht indiziert. Eine engmaschige Kontrolle, ebenfalls im Abstand von etwa sechs Monaten, ist hier der angemessene Weg.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende!

Dr. med. Joshua Torrent D.

Mandy hat auf diesen Beitrag reagiert.
Mandy

Hallo Herr Dr. Torrent,

ganz lieben Dank für ihre Einschätzung. Das hilft uns immer sehr! Wir werden die Kundin engmaschig überwachen und bei Veränderungen an den Auganarzt überweisen.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Viele Grüße Mandy Marchwat