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Mikropapille OD bei 46-jähriger Migränepatientin – anatomische Variante oder Papillenschwellung?

Hallo liebe Forumsmitglieder und lieber Herr Dr. Torrent,

ich möchte euch gern eine Patientin vorstellen und eure Einschätzung zum Papillenbefund einholen.

Es handelt sich um eine 46-jährige Migränepatientin. Der bestkorrigierte Visus beträgt beidseits 1,25, der Amsler-Test war unauffällig (negativ). Die Augeninnendruckwerte lagen bei 17,0 mmHg am rechten Auge und 17,9 mmHg am linken Auge.

Auf dem Fundus- bzw. Papillenbild des rechten Auges fällt uns eine eher kleine Papille auf, die für uns wie eine Mikropapille wirkt. Eine Exkavation ist nur sehr gering, teilweise quasi gar nicht erkennbar. Entsprechend entstand initial der Verdacht auf eine mögliche Papillitis oder Papillenschwellung. Aus diesem Grund haben wir zusätzlich einen Red-Cup-Test sowie einen RAPD-Test durchgeführt; beide waren unauffällig bzw. negativ.

Unsere Frage an euch ist nun, ob ihr den Befund ebenfalls als Mikropapille mit kaum vorhandener Exkavation und damit eher als anatomische Variante einordnen würdet, oder ob ihr anhand des Bildes doch Hinweise für eine Papillenschwellung bzw. etwas in Richtung Papillitis seht. Außerdem würden wir gerne wissen, ob die bekannte Migräne der Patientin bei diesem Befund aus eurer Sicht irgendeine Rolle spielt oder ob ihr eher keinen Zusammenhang seht.

Vielen Dank schon einmal für eure Hilfe und eure Einschätzung!

Mit freundlichen Grüßen

Mavin Marchwat

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Hallo an Alle!

vielen Dank für die Vorstellung dieses Falles. Auch solche Konstellationen sind bei uns ausdrücklich willkommen, da wir gemeinsam daraus lernen können.

Im vorliegenden Fall zeigen sich insgesamt unauffällige Funktionsparameter. Auffällig – sowohl im Fundusbild als auch in der OCT – ist, wie bereits korrekt erkannt wurde, eine eher kleine Papille mit entsprechend kleiner, jedoch regelrecht geformter Exkavation.

Bei der Betrachtung des Fundusbildes zeigt sich ein regelrechter Papillenrand ohne Prominenz. Temporal zur Makula hin findet sich ein atropher Conus. Zentral besteht eine kleine Exkavation mit einem CDR von etwa 0,1. Die Gefäßverläufe sind unauffällig. Zeichen einer Stauung lassen sich nicht erkennen, ebenso wenig Hinweise auf ein Papillenödem, wie es beispielsweise im Rahmen einer Papillitis auftreten würde. Bei einem Sehnervenödem ist die Papille typischerweise deutlich verformt und die Exkavation aufgehoben, häufig begleitet von einer Schlängelung der Gefäße. Dies liegt hier glücklicherweise nicht vor.

Auch die Papillenanalyse in der OCT zeigt das Bild einer Mikropapille ohne pathologischen Krankheitswert. Eine Sehnervenentzündung – unabhängig davon, ob sie klinisch sichtbar ist (Papillitis) oder als Retrobulbärneuritis verläuft – geht stets mit einem ausgeprägten Visusverlust einher, was hier nicht der Fall ist.

Ein Zusammenhang zwischen Papillenveränderungen und Migräne ist mir medizinisch nicht bekannt und erscheint auch pathophysiologisch nicht plausibel. Die Migräne ist per Definition eine Ausschlussdiagnose, das heißt, sie wird nur dann gestellt, wenn sich kein strukturelles oder pathologisches Korrelat nachweisen lässt. Das Vorliegen objektiver pathologischer Befunde würde daher eher gegen eine Migräne sprechen und vielmehr an einen neurologischen Prozess denken lassen.

Ich wünsche allen eine wundervolle und besinnliche Adventszeit.

Herzliche Grüße;

Dr. J. Torrent Despouy

Hallo Herr Dr. Despouy,

vielen Dank für Ihre Einschätzung und die ausführliche, gut nachvollziehbare Einordnung des Befundes. Ich schätze es sehr, wie viel Zeit Sie sich hier im Forum nehmen – durch Ihre fachlich fundierten Ausführungen kann ich jedes Mal unheimlich viel lernen.

Ich wünsche Ihnen eine wunderbare, besinnliche Adventszeit.

Mit freundlichen Grüßen

Marvin Marchwat