Intraretinale Flüssigkeit in Nähe der Blutgefäße
Zitat von Mandy am 22. Dezember 2025, 13:52 UhrHallo liebe Forumsmitglieder und lieber Herr Despouy,
ich möchte gern Ihre Einschätzung zu folgendem Fall einholen.
Es handelt sich um einen 69 Jahre alten Kunden. Seit etwa fünf Jahren besteht ein bekannter arterieller Bluthochdruck. Weitere relevante internistische oder ophthalmologische Vorerkrankungen sind laut Kunde nicht bekannt.
Fundusbefund
Im Verlauf der Netzhautgefäße zeigen sich:
eine leichte Tortuositas
geringgradige Kaliberschwankungen
Abgesehen davon wirkt der Fundus insgesamt altersentsprechend.
OCT-Befund
Im OCT:
umschriebene intraretinale Flüssigkeitsansammlungen in der Nähe einzelner Gefäße, peripher im Scanbereich gelegen, nicht im fovealen Zentrum
außerhalb dieser Areale erscheint die Netzhautstruktur altersentsprechend ohne weitere Auffälligkeiten
Fragen an das Forum:
Wie würden Sie die relativ peripher lokalisierten intraretinalen Flüssigkeitsansammlungen in Gefäßnähe interpretieren?
Sehen Sie einen Zusammenhang mit dem bestehenden Bluthochdruck des Kunden?
Würden Sie bei diesem eher peripher gelegenen Befund dennoch zu einer Überweisung zur/m Augenärzt:in, oder würden Sie hier optometrische Verlaufskontrollen (und wenn ja, in welchem Intervall) für ausreichend halten?
Vielen Dank vorab für Ihre Einschätzung und Hilfe! 🙏
Schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Mit freundlichen Grüßen
Marvin Marchwat
Hallo liebe Forumsmitglieder und lieber Herr Despouy,
ich möchte gern Ihre Einschätzung zu folgendem Fall einholen.
Es handelt sich um einen 69 Jahre alten Kunden. Seit etwa fünf Jahren besteht ein bekannter arterieller Bluthochdruck. Weitere relevante internistische oder ophthalmologische Vorerkrankungen sind laut Kunde nicht bekannt.
Fundusbefund
Im Verlauf der Netzhautgefäße zeigen sich:
-
eine leichte Tortuositas
-
geringgradige Kaliberschwankungen
Abgesehen davon wirkt der Fundus insgesamt altersentsprechend.
OCT-Befund
Im OCT:
-
umschriebene intraretinale Flüssigkeitsansammlungen in der Nähe einzelner Gefäße, peripher im Scanbereich gelegen, nicht im fovealen Zentrum
-
außerhalb dieser Areale erscheint die Netzhautstruktur altersentsprechend ohne weitere Auffälligkeiten
Fragen an das Forum:
-
Wie würden Sie die relativ peripher lokalisierten intraretinalen Flüssigkeitsansammlungen in Gefäßnähe interpretieren?
-
Sehen Sie einen Zusammenhang mit dem bestehenden Bluthochdruck des Kunden?
-
Würden Sie bei diesem eher peripher gelegenen Befund dennoch zu einer Überweisung zur/m Augenärzt:in, oder würden Sie hier optometrische Verlaufskontrollen (und wenn ja, in welchem Intervall) für ausreichend halten?
Vielen Dank vorab für Ihre Einschätzung und Hilfe! 🙏
Schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Mit freundlichen Grüßen
Marvin Marchwat
Hochgeladene Dateien:- AUTO20251222125432___20251212_133826_Makula_3D_R_EINZELN_10mm_768x128_REPORT.pdf
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Zitat von Joshua Torrent Despouy am 1. Januar 2026, 17:21 UhrHallo zusammen,
zunächst möchte ich allen Teilnehmenden und Mitlesenden ein frohes neues Jahr wünschen.
Vielen Dank für die ausführliche Fallbeschreibung – ein sehr interessanter Befund. Zusammengefasst handelt es sich um eine Veränderung am rechten Auge eines Patienten mit bekanntem arteriellen Hypertonus. Zentrale Fragestellungen sind dabei, ob diese Veränderung klinisch relevant ist, ob ein Zusammenhang mit dem Bluthochdruck besteht und ob sich daraus ein konkreter Handlungsbedarf ableitet.
Bei der initialen Betrachtung zeigen sich keine ausgeprägten hypertonieassoziierten Fundusveränderungen. Abgesehen von einer allenfalls minimalen Tortuositas der Gefäße sowie dezenten Kalibersprüngen finden sich keine typischen Zeichen einer hypertensiven Retinopathie höheren Grades. Auffällig sind jedoch die dunklen Strukturen in der Netzhaut auf den OCT-Aufnahmen – und genau hier lohnt sich ein genauerer Blick.
Am ehesten handelt es sich dabei um eine sehr fokale, kleinste Spaltbildung innerhalb der einzelnen Netzhautschichten im Bereich der großen Gefäßbögen. Auf den ersten Blick mag der Eindruck einer Flüssigkeitsansammlung entstehen, allerdings wäre eine solche hinsichtlich Form, Lage und Lokalisation äußerst untypisch. Wahrscheinlicher ist vielmehr eine architektonische Variante, bei der es unmittelbar angrenzend an den Gefäßbogen zu optisch leeren Räumen kommt, ohne dass eine pathologische Flüssigkeit vorliegt.
Ein vergleichbares Phänomen kennen wir beispielsweise aus dem Kontext von Gliosen: Auch hier finden sich nicht selten hyporeflektive „dunkle Einschlüsse“ unterhalb der glialen Veränderungen, die traktionsbedingt entstehen und nicht mit einer exsudativen Flüssigkeitsansammlung vereinbar sind.
Meiner Einschätzung nach handelt es sich bei dem vorliegenden Befund um eine atypische, sehr lokalisierte Schisis der Netzhautschichten, bedingt durch individuelle anatomische Gegebenheiten – ohne Krankheitswert. Entsprechend ist weder eine relevante Progression noch ein kausaler Zusammenhang mit dem bekannten arteriellen Hypertonus zu erwarten.
Insgesamt würde ich daher aktuell nicht von einer behandlungsbedürftigen Erkrankung ausgehen. Empfohlen sei eine OCT-Verlaufskontrolle in etwa sechs Monaten. Sollte sich in diesem Zeitraum keine strukturelle Veränderung zeigen, würde dies die oben genannte Einschätzung untermauern. Bei einer Dynamik oder strukturellen Progression hingegen wäre eine weiterführende Diagnostik, beispielsweise mittels Fluoreszenzangiographie, sinnvoll in Erwägung zu ziehen.
Ich bin gespannt auf den weiteren Verlauf und freue mich über Rückmeldungen.
Viele Grüße an alle,
Dr. med. Joshua Torrent D.
Hallo zusammen,
zunächst möchte ich allen Teilnehmenden und Mitlesenden ein frohes neues Jahr wünschen.
Vielen Dank für die ausführliche Fallbeschreibung – ein sehr interessanter Befund. Zusammengefasst handelt es sich um eine Veränderung am rechten Auge eines Patienten mit bekanntem arteriellen Hypertonus. Zentrale Fragestellungen sind dabei, ob diese Veränderung klinisch relevant ist, ob ein Zusammenhang mit dem Bluthochdruck besteht und ob sich daraus ein konkreter Handlungsbedarf ableitet.
Bei der initialen Betrachtung zeigen sich keine ausgeprägten hypertonieassoziierten Fundusveränderungen. Abgesehen von einer allenfalls minimalen Tortuositas der Gefäße sowie dezenten Kalibersprüngen finden sich keine typischen Zeichen einer hypertensiven Retinopathie höheren Grades. Auffällig sind jedoch die dunklen Strukturen in der Netzhaut auf den OCT-Aufnahmen – und genau hier lohnt sich ein genauerer Blick.
Am ehesten handelt es sich dabei um eine sehr fokale, kleinste Spaltbildung innerhalb der einzelnen Netzhautschichten im Bereich der großen Gefäßbögen. Auf den ersten Blick mag der Eindruck einer Flüssigkeitsansammlung entstehen, allerdings wäre eine solche hinsichtlich Form, Lage und Lokalisation äußerst untypisch. Wahrscheinlicher ist vielmehr eine architektonische Variante, bei der es unmittelbar angrenzend an den Gefäßbogen zu optisch leeren Räumen kommt, ohne dass eine pathologische Flüssigkeit vorliegt.
Ein vergleichbares Phänomen kennen wir beispielsweise aus dem Kontext von Gliosen: Auch hier finden sich nicht selten hyporeflektive „dunkle Einschlüsse“ unterhalb der glialen Veränderungen, die traktionsbedingt entstehen und nicht mit einer exsudativen Flüssigkeitsansammlung vereinbar sind.
Meiner Einschätzung nach handelt es sich bei dem vorliegenden Befund um eine atypische, sehr lokalisierte Schisis der Netzhautschichten, bedingt durch individuelle anatomische Gegebenheiten – ohne Krankheitswert. Entsprechend ist weder eine relevante Progression noch ein kausaler Zusammenhang mit dem bekannten arteriellen Hypertonus zu erwarten.
Insgesamt würde ich daher aktuell nicht von einer behandlungsbedürftigen Erkrankung ausgehen. Empfohlen sei eine OCT-Verlaufskontrolle in etwa sechs Monaten. Sollte sich in diesem Zeitraum keine strukturelle Veränderung zeigen, würde dies die oben genannte Einschätzung untermauern. Bei einer Dynamik oder strukturellen Progression hingegen wäre eine weiterführende Diagnostik, beispielsweise mittels Fluoreszenzangiographie, sinnvoll in Erwägung zu ziehen.
Ich bin gespannt auf den weiteren Verlauf und freue mich über Rückmeldungen.
Viele Grüße an alle,
Dr. med. Joshua Torrent D.
Zitat von Mandy am 6. Januar 2026, 10:07 UhrHallo Herr Dr. Despouy,
vielen Dank für Ihre ausführliche und sehr anschauliche Einschätzung des Falles. Durch Ihre Erklärungen kann man hier im Forum wirklich immer wieder etwas Neues dazu lernen.
Im Nachgang möchte ich noch einen Aspekt nachreichen, den ich in der ersten Fallbeschreibung vor lauter spannender Befundkonstellation leider nicht erwähnt hatte:
Der Patient zeigt einen erhöhten Augeninnendruck. Wir haben insgesamt dreimal gemessen und den Patienten bereits nach der ersten Messung darauf hingewiesen, dass er sich zeitnah beim Augenarzt vorstellen soll.
12.12.2025, ca. 14:00 Uhr: R 19,3 mmHg / L 26,5 mmHg
22.12.2025, ca. 12:00 Uhr: R 25,7 mmHg / L 33,0 mmHg
30.12.2025, ca. 15:00 Uhr: R 20,2 mmHg / L 24,7 mmHg
Nochmals vielen Dank für Ihre schöne und sehr lehrreiche Antwort.
Herzliche Grüße
Marvin Marchwat
Hallo Herr Dr. Despouy,
vielen Dank für Ihre ausführliche und sehr anschauliche Einschätzung des Falles. Durch Ihre Erklärungen kann man hier im Forum wirklich immer wieder etwas Neues dazu lernen.
Im Nachgang möchte ich noch einen Aspekt nachreichen, den ich in der ersten Fallbeschreibung vor lauter spannender Befundkonstellation leider nicht erwähnt hatte:
Der Patient zeigt einen erhöhten Augeninnendruck. Wir haben insgesamt dreimal gemessen und den Patienten bereits nach der ersten Messung darauf hingewiesen, dass er sich zeitnah beim Augenarzt vorstellen soll.
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12.12.2025, ca. 14:00 Uhr: R 19,3 mmHg / L 26,5 mmHg
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22.12.2025, ca. 12:00 Uhr: R 25,7 mmHg / L 33,0 mmHg
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30.12.2025, ca. 15:00 Uhr: R 20,2 mmHg / L 24,7 mmHg
Nochmals vielen Dank für Ihre schöne und sehr lehrreiche Antwort.
Herzliche Grüße
Marvin Marchwat
Zitat von Joshua Torrent Despouy am 21. Januar 2026, 11:59 UhrGuten Tag zusammen,
entschuldigt bitte meine verspätete Rückmeldung – leider habe ich den Eintrag übersehen.
Der Augeninnendruck der Patientin ist tatsächlich auffällig. Dank der sorgfältigen Erhebung mehrerer Messwerte zeigt sich, dass das Druckniveau insgesamt erhöht ist. In den vorliegenden OCT- und Fundusaufnahmen (Übersichtsaufnahme) lässt sich – soweit beurteilbar – keine eindeutig glaukomatöse Papillenkonfiguration erkennen, sodass aktuell am ehesten von einer okulären Hypertension auszugehen ist.
Aufgrund der erhöhten Druckwerte sollte jedoch im weiteren Verlauf augenärztlich geprüft werden, ob eine prophylaktische Therapie sinnvoll ist, um einem möglichen Übergang in ein Glaukom vorzubeugen. Daher empfehle ich, eine regelmäßige Kontrolle bei einer Augenärztin bzw. einem Augenarzt vor Ort einzuplanen.
Vielen Dank und herzliche Grüße an alle
Dr. Joshua Torrent D.
Guten Tag zusammen,
entschuldigt bitte meine verspätete Rückmeldung – leider habe ich den Eintrag übersehen.
Der Augeninnendruck der Patientin ist tatsächlich auffällig. Dank der sorgfältigen Erhebung mehrerer Messwerte zeigt sich, dass das Druckniveau insgesamt erhöht ist. In den vorliegenden OCT- und Fundusaufnahmen (Übersichtsaufnahme) lässt sich – soweit beurteilbar – keine eindeutig glaukomatöse Papillenkonfiguration erkennen, sodass aktuell am ehesten von einer okulären Hypertension auszugehen ist.
Aufgrund der erhöhten Druckwerte sollte jedoch im weiteren Verlauf augenärztlich geprüft werden, ob eine prophylaktische Therapie sinnvoll ist, um einem möglichen Übergang in ein Glaukom vorzubeugen. Daher empfehle ich, eine regelmäßige Kontrolle bei einer Augenärztin bzw. einem Augenarzt vor Ort einzuplanen.
Vielen Dank und herzliche Grüße an alle
Dr. Joshua Torrent D.